Weinbau Gehrig: Guter Wein, der den Gaumen erfreuen soll

 Wie viele Weingüter in Franken beschreitet auch Weinbau Gehrig neue Pfade. Aus einem reinen Traubenproduzenten, der früher hauptsächlich auf Menge setzte, wird nun ein anspruchsvoller Direktvermarkter, der kompromisslos auf Qualität achtet. Winzer Philipp Gehrig hat hohe Erwartungen: Seine Weine sollen den Gaumen einfach nur begeistern. 


Nördlich von Würzburg, im Main-Spessart-Kreis, liegt der malerische Weinort Retzbach, der seit Jahrhunderten vom Weinbau geprägt wird. Auch das Weingut Gehrig hat hier seine Wurzeln. Die Ursprünge des familiengeführten Betriebs, wie er heute besteht, reichen bis in die 1960er Jahre zurück. Seither hat sich der Ansatz jedoch grundlegend verändert. Winzer Philipp Gehrig, der das Gut mittlerweile in der dritten Generation leitet, verfolgt einen neuen Weg. Seit 2016 entfernt sich das Weingut zunehmend von der reinen Traubenproduktion und entwickelt sich zu einem anspruchsvollen Selbstvermarkter. 

 Natürlich hat sich mit dieser Neuorientierung auch die Denkweise verändert. Statt auf Menge wird nun in erster Linie auf Qualität gesetzt. Das bedeutet im Weinberg eine bewusste Ertragsreduktion. Im Keller erfolgt der Ausbau besonders behutsam und mit großer Sorgfalt. Weinbau Gehrig hat damit einen Weg eingeschlagen, der unverwechselbare, charakterstarke Weine von höchster Qualität hervorbringen soll. Eine zentrale Rolle spielt dabei die Vielfalt der angebauten Rebsorten. 

 Derzeit bewirtschaftet Weinbau Gehrig rund sieben Hektar. Alle familieneigenen Weinberge liegen in unmittelbarer Nähe von Retzbach und erstrecken sich von der Spitzenlage Retzbacher Benediktusberg bis zur Himmelstadter Kelter. Die Vielfalt der Rebsorten ist beeindruckend: Silvaner, Bacchus, Scheurebe, Weißer Burgunder, Grauer Burgunder, Müller-Thurgau, Domina und Spätburgunder zählen zum Sortiment von Gehrig Wein. Der Charakter der Weine wird maßgeblich durch die hervorragenden Bodenverhältnisse geprägt. Die Weinberge stehen auf Muschelkalk- und Lehmböden, und das milde, sonnige Klima entlang des Mains trägt zusätzlich zur hohen Qualität der Weine bei. 

Wein aus Franken - Qualität trifft auf Tradition

Die Geschichte des Frankenweins reicht zurück bis in die Zeit Karls des Großen, der im Jahr 777 eine Schenkungsurkunde für Würzburg ausstellte. Besonders die katholischen Klöster kultivierten die Hänge entlang des Mains, um Wein für ihre Messfeiern zu gewinnen. Der Silvaner ist seit jeher die Vorzeigerebsorte des Frankenweins, da er bei sorgfältiger Pflege herausragende Qualitäten hervorbringt. Seit über 400 Jahren wird diese ursprünglich aus Österreich stammende Rebe in Franken angebaut und erzeugt zart-fruchtige, erdige Weine. Neben dem Silvaner sind auch der aromatische Bacchus, der vielseitige Riesling und der pflegeleichte Müller-Thurgau in der Region weit verbreitet. Bei den Rotweinen dominiert mengenmäßig die Sorte Domina, während der Spätburgunder für die edleren roten Frankenweine steht.

Das Weinanbaugebiet um den Main, geschützt durch die Rhön und den Spessart, ist von komplexen Böden geprägt. Aufgrund geringer Niederschläge sind diese reich an Mineralstoffen, was dem Frankenwein seine charakteristische mineralisch-erdige Note verleiht. Typisch für den fränkischen Wein ist auch der Bocksbeutel, eine flache, bauchige Flasche, die seit über 250 Jahren verwendet wird.

Berühmte Lagen für Frankenwein sind der "Eschendorfer Lump", der "Centgrafenberg" und natürlich der "Würzburger Stein", die älteste dokumentierte Weinlage Deutschlands. Der daraus entstehende "Steinwein" inspirierte bereits Dichter wie Johann Wolfgang von Goethe, der einst an seine Frau schrieb: „Schicke mir doch einige Würzburger, denn kein anderer Wein will mir schmecken, und ich bin verdrießlich, wenn mir mein gewohnter Lieblingstrank abgeht.“